Jobinterview mit Headhunter: Fragen, Selbstpräsentation, Fehler

Die Berufsbezeichnung "Headhunter" ist weder geschützt noch ein Qualitätsmerkmal an sich. Erhalten Sie also einen Anruf von Experten für Direct-Search oder Executive-Search, sollten Sie überlegen,

  • an welchen Punkten Sie Informationsgrenzen setzen,
  • wie deutlich Sie Ihren Wechselwunsch betonen,
  • wie Sie Ihre Stärken, Erfahrungen und Erfolge hervorheben können
  • und welche Fragen Sie zur neuen Stelle an den Headhunter haben.
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foto: © Nastuh Abootalebi on Unsplash.com

Entscheider kommen schnell zur Sache

Umworbene Kandidaten erhalten häufig, manchmal sogar zu häufig, Anrufe von Personalberatern und Headhuntern.

Einerseits schmeichelt dies dem Ego. Andererseits sind die zeitlichen Ressourcen von Top-Manager/-innen und Führungskräften des mittleren Managements doch stark begrenzt.

Daher bevorzugen diese Entscheiderinnen und Entscheider, Gespräche und Telefonate die möglichst schnell auf den Punkt kommen. Idealerweise möchte diese gesuchte Zielgruppe also sofort erfahren,

  • welcher Arbeitgeber in welcher Branche in welcher Region welche Position besetzen möchte,
  • ob der Recruiter ein Alleinvertretungsmandat hat,
  • was die zentralen Arbeitsinhalte in der neuen Stelle sind,
  • warum die Stelle neu besetzt werden soll,
  • ob dringende Veränderungen (Change-Management) in Angriff zu nehmen sind,
  • ob eigene Führungsteams mitgebracht werden "dürfen"
  • und welcher Gehaltsrahmen und welche Boni mit der neuen Position verbunden sind.

Gegensätzliche Interessen der Headhunter

Dagegen versuchen nicht wenige Recruiter den Auftraggeber möglichst lange eher im Dunkeln zu halten.

Weiter werden spezielle Herausforderungen und Schwierigkeiten, die mit der neuen Stelle verbunden, abgemildert dargestellt. Und es wird gerne versucht, der Gehaltsfrage möglichst lange auszuweichen.

Experten-Tipp

Wenn Sie ohne eigene Aktivitäten vom Headhunter angerufen werden, befinden Sie sich in der stärkeren Position.

Definieren Sie für sich zentrale Fragen, um schnell herauszufinden, ob der Anrufer am anderen Ende der Leitung bloß ein Zeitdieb ist oder ob die in Aussicht gestellte Position wirklich einen echten Karriereschritt für Sie bedeutet.

Fragen, die Headhunter stellen

Kommt es im Anschluss an den Erstkontakt zu einem ausführlichen Telefoninterview oder einem persönlichen Job-Interview, sollten Sie sich im Vorfeld mit den Fragen auseinandersetzen, die Sie erwarten.

Ihnen werden beispielsweise Fragen zu diesen Themenkomplexen gestellt:

  • Ihre Leistungsmotivation ("innerer Antrieb"),
  • Ihre tatsächliche Wechselbereitschaft,
  • Ihr Werdegang,
  • Ihre Stärken und Schwächen,
  • Ihr Change-Management Potential
  • Ihr Führungsstil.

Häufig werden strukturierte Job-Interviews durchgeführt.

Damit ist gemeint, dass im Vorfeld ein Fragenkatalog definiert, der einen klaren Bezug zur ausgeschriebenen Stelle hat. Alle Kandidaten müssen dann die gleichen Fragen beantworten, was im Nachgang eine bessere Vergleichbarkeit der Antworten ermöglicht.

Fragen zur Leistungsmotivation

Bei Fragen zur Leistungsmotivation geht es um Ihre innere Motivaton und Ihre Antriebsmomente.

  1. Wie motivieren Sie sich für die tägliche Arbeit?
  2. Was verstehen Sie unter beruflichem Erfolg?
  3. Was treibt Sie an?

Fragen zur Wechselbereitschaft

Manche Kandidaten wollen "nur" ihren Marktwert testen, um dann doch beim momentanen Arbeitgeber zu bleiben. Daher wird die tatsächliche Bereitschaft zum Wechsel gerne überprüft.

  1. Wie oft sollten Führungskräfte Ihrer Meinung nach in zehn Jahren den Job wechseln?
  2. Aus welchen Gründen haben Sie Ihren vorletzten Job gewechselt?
  3. Was wird sich für Sie in der neuen Stelle ändern?

Fragen zum Werdegang

Hier geht es um biografische Fragen. Recruiter möchten erfahren, ob es einen "roten Faden" in der beruflichen Entwicklung der angesprochenen Kandidaten gibt.

  1. Welche Personen haben Ihre Berufswahl beeinflusst?
  2. Welche Aufgaben haben Ihnen in Ihrer ersten Stelle besonders gefallen?
  3. Und welche mochten Sie gar nicht?
  4. Was gefällt Ihnen an Ihren Aufgaben und Verantwortungsbereichen?

Fragen zu Stärken und Schwächen

Manche Headhunter haken ganz klassisch nach: "Nennen Sie mir drei Ihrer Stärken und Schwächen!" Andere verzichten völlig auf das "Stärken und Schwächen"-Ritual. Und wiederum andere fragen indirekt nach.

  1. In welchen beruflichen Situationen laufen Sie zur Höchstform auf?
  2. Was denkt Ihr Vorgesetzter über Sie?
  3. Was schätzen Ihre Kollegen an Ihnen?
  4. Und was kritisieren Ihre Kollegen gelegentlich?
  5. Wo sehen Sie Ihre beruflichen Stärken?
  6. Und wo sehen Sie Grenzen?

Fragen zum Change-Management

Veränderungen, Umbrüche und Umstrukturierungen finden in immer kürzeren Wechseln statt. Wie nehmen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier mit?

  1. Welche grundlegenden Veränderungen haben Sie in Ihrem Verantwortungsbereich initiiert?
  2. Sind Sie eine gute Change-Managerin?
  3. Was macht für Sie eine gute Change-Managerin aus?
  4. Wie gehen Sie mit älteren Mitarbeitern um, die alle Veränderungen ablehnen?
  5. Welche drei Trends werden Ihren Arbeitsbereich in den nächsten Jahren stark prägen?

Fragen zum Führungsstil

Je nach Unternehmen gibt es ganz verschiedene Führungskulturen. Sie sollten Ihren bevorzugten Führungsstil kennen und begründen können.

  1. Wie führen Sie Ihre Abteilung?
  2. Bitte schildern Sie uns einen Konflikt in Ihrem Team: Wie haben Sie ihn gelöst?
  3. Was ist in Ihrem Führungsverhalten heute anders als vor fünf Jahren?
  4. Und was hat sich nicht verändert?
  5. Welcher Vorgesetzte hat Sie als Führungskraft besonders beeindruckt und warum?

Coaching-Tipp

Arbeiten Sie vor Job-Interview eine Erfolgsbilanz aus, damit Sie im Gespräch mit dem Headhunter auf konkrete Beispiele liefern können. Überlegen Sie sich auch bis zu drei berufliche Probleme, schwierige Herausforderungen oder Streitigkeiten, die Sie mit Überzeugungskraft und Fingerspitzengefühl gelöst haben.

Ihre Selbstpräsentation: Immer gefragt

Wenn Sie mit zentralen Fragen wie "Welchen Mehrwert können Sie in der neuen Stelle für das Unternehmen schaffen?" oder "Würden Sie uns bitte Ihren Werdegang schildern?" oder "Warum sollte mein Auftraggeber Sie einstellen?" konfrontiert werden, können Sie mit einer passgenauen, glaubwürdigen und stärkenorientierten Selbstpräsentation überzeugen.

Bereiten Sie Ihre Selbstpräsentation so vor, dass Sie sowohl eine kurze einminütige als auch eine längere dreiminütige Version nutzen können.

Im Kern Ihrer Selbstpräsentation steht üblicherweise Ihre momentane Position und die davorliegende.

Diese beiden Stellen liefern die wichtigsten Einstellungsargumente.

Schildern Sie Ihre Zuständigkeits- und Verantwortungsbereiche, spezielle Projektarbeit, Ihre Branchenkenntnisse und geben Sie konkrete Beispiele für Ihre Fähigkeit, erfolgreich zu arbeiten.

Checkliste: Headhunter - Selbstpräsentation

Coaching-Tipp

Ihre Selbstpräsentation sollte immer einen starken Bezug zum Stellenprofil aufweisen.

Hier haben Sie einen taktischen Spielraum, den Sie nutzen sollten. Heben Sie die Aufgaben,  Zuständigkeiten und Erfolge hervor, die besonders gut zur Zielposition passen.

Fehler im Headhunter-Interview

In unserer Coachingpraxis achten wir darauf, dass insbesondere auch die Körpersprache in Vorstellungsgesprächen überzeugt. Handlungsstärke, Gestaltungswille und die Bereitschaft, offen für Argumente anderer zu sein, sollten auch körpersprachlich ausgedrückt werden. Sonst wirkt der Auftritt im Job-Interview widersprüchlich.

Beispiel

Verschränkte Arme, das Kneten von Papier oder Stift oder ein ausweichender Blick lassen Zweifel an der Glaubwürdigkeit Ihrer Antworten und Ihren Macherqualitäten aufkommen.

Setzen Sie sich gekonnt in Szene.

Verwenden Sie beispielsweise Aufzählungsgesten, wenn Sie komplexe Aufgabenstellungen schildern, schauen Sie alle Gesprächspartner an, wenn Sie antworten und sprechen Sie in einem angemessenen Sprechtempo, damit Ihre Zuhörer Ihren Worten auch folgen können.

Souverän im Gespräch mit dem Headhunter

Heute verlaufen berufliche Werdegänge kaum noch gradlinig.

Wird daher zu einer kürzeren Verweildauer bei einem Arbeitgeber, einer Lücke im Lebenslauf oder einem auffälligen Branchenwechsel nachgehakt, sollten Bewerber die Ruhe bewahren und nachvollziehbar schildern, welche Gründe seinerzeit vorlagen.

Die bereits angesprochene Selbstpräsentation von Kandidaten sollte professionell vorbereitet werden.

Wer nicht weiß, was er kann, was ihn interessiert und was er noch erreichen will, wird weder den Headhunter noch seinen Auftraggeber überzeugen.

Gerne coachen wir Sie bei Bedarf im Vorfeld von Job-Interviews telefonisch oder auch persönlich.

Für Ihre Gespräche mit Headhuntern und Personalberatern wünschen wir Ihnen viel Erfolg!

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