Worauf achten Headhunter beim Arbeitszeugnis?

  • "Völlig unnötiger Datenballast, darauf kann ich verzichten!"
  • "Interessiert mich nicht, aber meine Auftraggeber legen leider Wert darauf!"
  • "Dürfen nicht fehlen, weil die Bewerbung sonst unvollständig ist!"
  • "Sind ein unterstützender Faktor im Bewerbungsverfahren!"

Was denken Headhunter wirklich über Arbeitszeugnisse? Welchen Stellenwert haben die schriftlichen Beurteilungen noch im Auswahlprozess? Und gibt es auch Alternativen zu Zeugnissen?

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foto: © Brooke Cagle on Unsplash.com

Headhunter: Was denken sie über Arbeitszeugnisse?

Keine Frage, das Thema "Sinn und Unsinn von Arbeitszeugnissen" lässt die Emotionen der Beteiligten schnell hochkochen.

Personalmitarbeiter beschweren sich über pingelige Arbeitnehmer, die Bewertungen und Formulierungen in Zwischen- oder Endzeugnissen einfach nicht widerspruchslos hinnehmen wollen.

Beurteilte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben oft Schwierigkeiten damit, die spezielle Zeugnissprache in klare Aussagen zu übersetzen und fühlen sich ungerecht beurteilt.

Führungskräfte werden häufig in die Auseinandersetzungen zwischen Personalabteilung und (ehemaligen) Mitarbeitern hineingezogen und sollen Eskalationen und Streit irgendwie schlichten.

Und Headhunter und Personalberater? Was denken eigentlich diese Dienstleister, die bei der Suche nach passenden Arbeitnehmern für Unternehmen eine wichtige Rolle spielen?

Shortlist muss begründet werden

Zugegeben, als Bewerbungsberater und Zeugnisdienstleister mit über 25 Jahren Erfahrung, sind wir in dieser Diskussion nicht unparteiisch.

Schließlich optimieren und formulieren wir ständig Arbeitszeugnisse für CEOs, Bereichsleiterinnen, Abteilungsleiter, Projektleiterinnen, Teamleiter oder Fachspezialisten.

Experten-Tipp

Die Statements, die wir aus erster Hand von Personalberatern hören, sind häufig gleich.

  • Zunächst wird beklagt, dass Arbeitszeugnisse eigentlich keine Aussagekraft hätten.
  • Dann wird darauf hingewiesen, dass mittlerweile "doch jeder" sein Arbeitszeugnis selber schreiben würde.
  • Und am Ende wird zugegeben, dass der Aufgabenblock, die Gesamtnote und der Schlussabsatz ("Kündigungsgrund", "Dank und Bedauern über den Weggang", "Gute Zukunftswünsche") natürlich doch immer zumindest überflogen, sprich gelesen, werden.

Die Statements der Headhunter sind für uns auch wenig überraschend. Schließlich stehen Recruiter unter erheblichem Begründungsbedarf, wenn sie ihren Auftraggebern die Shortlist mit geeigneten Kandidaten vorstellen.

Vollständige Unterlagen sind ein Muss

Daher haben viele Headhunter durchaus eine realistische Meinung zu Arbeitszeugnissen, halten sie aber schon aus Gründen der Vollständigkeit für unverzichtbar.

Fehlt ein Arbeitszeugnis für eine berufliche Position, kann dies ein Indiz dafür sein, dass die Bewerberin oder der Bewerber eine schwache Leistungsbeurteilung einfach weggelassen haben.

Kommen weitere Auffälligkeiten hinzu, beispielsweise öfter eine kürzere Verweildauer bei früheren Arbeitgebern, wird im Telefoninterview oder persönlichen Gespräch mit Sicherheit nachgehakt werden.

Schnellleser: Darauf achten sie!

Professionelle Recruiter sind Meister in der Bearbeitung von großen Datenmengen. Sie wissen, worauf sie bei der Analyse von CVs achten müssen, sie sind erfahren darin, berufliche Brüche, Fehlentwicklungen und Lücken aufzuspüren. Und sie wissen auch, dass einige suchende Arbeitgeber durchaus Wert auf stimmige Arbeitszeugnisse legen.

Beispiel

Was ist ein stimmiges Arbeitszeugnis?

Aufgabenblock: Hier sollten die Angaben im CV und der Tätigkeitsblock im Arbeitszeugnis im Wesentlichen übereinstimmen.

Gesamtnote: Die zusammenfassende Leistungsbeurteilungen sollte "gut" oder "sehr gut" sein. "Befriedigende" Noten sind für Führungskräfte in der Regel ein K.o.-Kriterium.

Schlussabsatz: Hier sollte der Kündigungsgrund nachvollziehbar sein. Idealerweise sollte für die engagierte und produktive Arbeit gedankt und der Weggang bedauert werden. Wird am Ende "weiterhin alles Gute und viel Erfolg" gewünscht, spricht dies für den beurteilten Arbeitnehmer.

Besondere Erfolge: Werden im Arbeitszeugnis ausdrücklich besondere Erfolge erwähnt, beispielsweise Kostensenkungen, Qualitätsverbesserungen, Prozessoptimierungen oder Projektarbeit wird das berufliche Profil des Arbeitnehmers deutlicher erkennbar.

Führungsleistung: In Arbeitszeugnissen von Managerinnen und Managern sollte auch die Anzahl der geführten Mitarbeiter, der bevorzugte Führungsstil und der dazugehörige Führungserfolg beschrieben werden.

Von wegen: überflüssig!

Damit ist umrissen, was Headhunter und Personalberater im Allgemeinen von Arbeitszeugnissen halten.

Die schriftlichen Beurteilungen werden häufig als zusätzliches Element im Auswahlprozess angesehen, um die Erfolgsbilanz ("Track Record") von Kandidaten zu unterstützen.

Weiter sind Zeugnisse für manche Searcher ein Nachweis gegenüber den suchenden Unternehmen, um Vorschläge von der Shortlist möglichst umfassend zu begründen.

Coaching-Tipp

Wenn Sie die Möglichkeit haben, Einfluss auf Ihr Arbeitszeugnis zu nehmen, beispielsweise im Rahmen eines Aufhebungsvertrages oder weil Sie einen sehr guten Draht zu Ihrem direkten Vorgesetzten haben, sollten Sie diese Chance nutzen.

Die Optimierung ist zwar mit einigem Aufwand verbunden, diese kann jedoch an Zeugnisdienstleister delegiert werden.

Schließlich begleitet Sie Ihr Arbeitszeugnis ein Arbeitsleben lang - dies gilt sowohl für gute, aber auch für durchschnittliche oder gar schlechte Beurteilungen.

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